User Research: Der erste Schritt zu besseren Designs
Lerne, wie du durch Interviews und Beobachtungen herausfindest, was deine Nutzer wirklich brauchen — nicht, was du denkst, dass sie brauchen.
Warum User Research nicht optional ist
Es ist verlockend, einfach zu designen. Du hast eine Idee, skizzierst sie, baust sie — fertig. Aber hier’s die harte Wahrheit: Designs, die ohne echtes Nutzer-Verständnis entstehen, scheitern meistens. User Research ist der Unterschied zwischen einem Interface, das Menschen lieben, und einem, das sie frustriert.
Die gute Nachricht? Du brauchst keine teure Agentur oder komplexe Studien. Mit den richtigen Methoden — Interview-Grundlagen, Beobachtung, einfache Tests — findest du heraus, was deine Nutzer wirklich brauchen. Das ist die Basis für bessere Designs.
Was ist User Research überhaupt?
User Research ist die systematische Untersuchung, wie Menschen ein Produkt oder Interface nutzen — und vor allem, warum. Es geht nicht um deine Vermutungen. Es geht um Fakten, Beobachtungen und echte Nutzer-Erkenntnisse.
Drei Kern-Methoden bilden das Fundament:
Interviews
Tiefgehendes Gespräche mit 5-8 Nutzern. Nicht “Magst du das?” — sondern offene Fragen wie “Wie machst du das normalerweise?” Die Antworten zeigen echte Verhaltensweisen.
Beobachtung
Menschen machen oft etwas anderes als das, was sie sagen. Du sitzt daneben, schaust zu und notierst — wo bleiben sie stecken? Was braucht Erklärung? Das ist Gold.
Usability Tests
Echte Nutzer versuchen dein Design zu verwenden. Du siehst direkt, was funktioniert und was nicht. Keine Theorien — echte Probleme werden sichtbar.
5 konkrete Schritte für deine erste Research
Nutzer identifizieren
Wer sind deine Nutzer wirklich? Nicht “alle zwischen 18-35”. Konkret: Freiberufler, die Remote arbeiten? Eltern mit zwei Kindern? Schreib 3-4 Nutzer-Profile auf. Das fokussiert deine Research enorm.
Nutzer rekrutieren
Starte klein: 5-8 Personen sind für erste Erkenntnisse völlig ausreichend. Frag in deinem Netzwerk, LinkedIn-Communities, oder lokalen Gruppen. Biete einen kleinen Anreiz — 15-20 Euro Kaffee-Gutschein funktioniert oft wunder.
Fragen vorbereiten
Schreib 8-10 offene Fragen auf. “Erzähl mir, wie du das normalerweise machst” ist besser als “Findest du das kompliziert?” Offene Fragen geben tiefere Antworten — das ist dein Ziel.
Interviews durchführen
30-45 Minuten pro Interview. Stilles Notizen machen oder aufnehmen (mit Erlaubnis). Lass Pausen entstehen — Menschen denken laut nach. Die besten Insights kommen oft nach der Hauptfrage.
Muster erkennen
Schreib alle Interviews auf. Lies sie durch. Wo sagen mehrere Nutzer das gleiche? Welche Probleme tauchen immer wieder auf? Diese Patterns sind die Goldschätze für dein Design.
Von Rohdaten zu echten Erkenntnissen
Nach 5-8 Interviews hast du viele Notizen. Aber wie daraus actionable Insights entstehen? Das Wichtigste: Suche nach Patterns, nicht Einzelfällen. Wenn eine Person sagt “Das ist verwirrend”, ist das eine Meinung. Wenn fünf das sagen, ist das ein Problem.
Der praktische Trick: Schreib jeden Punkt auf einen Klebezettel. Ein Interview = ein Zettel pro Aussage. Dann kleb alles an eine Wand. Du wirst sofort sehen, wo sich Zettel häufen. Das sind deine Patterns.
Aus diesen Patterns entstehen dann konkrete Designentscheidungen. “Nutzer verstehen die Menü-Navigation nicht” “Wir brauchen bessere Labels und vielleicht ein Tutorial”. Das ist der direkte Weg von Research zu Design.
Das solltest du vermeiden
Zu wenig Nutzer befragen
Viele denken: “Eine Person reicht für Feedback.” Nein. Du brauchst mindestens 5, besser 8, um echte Patterns zu sehen. Bei einer Person siehst du nur ihre Eigenheit, nicht das echte Problem.
Zu viel suggerieren
“Findest du diesen Button hier logisch?” — Das ist eine Führungsfrage. Der Nutzer will dir gefallen und sagt “ja”. Besser: “Wo würdest du diesen Button erwarten?” — Das ist offen.
Nur deine Zielgruppe
Wenn du nur Menschen befragst, die “wie du” sind, wirst du Probleme verpassen. Befrag auch jemanden, der “nicht tech-savvy” ist. Das zeigt dir, wo du wirklich erklären musst.
Feedback mit Anforderungen verwechseln
Ein Nutzer sagt “Ich wünsche mir einen dunklen Modus.” Das ist ein Wunsch, nicht unbedingt ein Problem. Frag nach: “Warum? Wann brauchst du das?” — Manchmal ist es einfach eine Vorliebe.
Werkzeuge für deine Research
Du brauchst nicht viel. Diese einfachen Tools reichen völlig aus:
Notizblock + Stift
Klassisch und funktioniert. Menschen fühlen sich entspannter wenn du schreibst, statt zu tippen. Diktiergerät ist alternativ — aber frag immer, ob es okay ist.
Google Forms / Typeform
Für schnelle schriftliche Umfragen. Nicht so tief wie Interviews, aber schnell mit vielen Nutzern. Kostenlos und einfach.
Zoom / Google Meet
Remote Interviews funktionieren gut. Kannst aufnehmen (mit Erlaubnis) und später transkribieren. Spart Zeit und Reisekosten.
Figma Prototyp
Zum Testen während der Research. Zeig deinen Prototyp und beobachte, wie Nutzer damit interagieren. Viel realistischer als Screenshots.
Klebezettelmethode
Klassisch für Pattern-Finding. Farbige Zetteln, Wand, fertig. Kosten: ~3 Euro. Effektivität: unbezahlbar.
Der nächste Schritt: Los geht’s
User Research klingt nach viel Arbeit. Ist es aber nicht. Fünf bis acht Interviews, 3-4 Stunden pro Woche, zwei Wochen — dann hast du genug Insights für bessere Designs. Das ist der Unterschied zwischen “ich denke, das ist gut” und “ich weiß, das funktioniert”.
Die beste Zeit für Research ist jetzt. Nicht “nächsten Monat”. Diese Woche. Schreib drei potenzielle Nutzer an, vereinbar einen Termin. Du wirst überrascht sein, wie viel du über deine Nutzer nicht wusstest.
Dein Research-Projekt starten
Schreib deine Nutzer-Profile auf. Stell fünf Fragen zusammen. Finde fünf Nutzer. Das ist alles, um anzufangen.
Kontakt & BeratungHinweis zum Inhalt
Dieser Artikel enthält Informationen und bewährte Praktiken zu User Research für Design. Die beschriebenen Methoden und Techniken basieren auf gängigen UX-Prinzipien und sind als pädagogisches Material gedacht. Jedes Projekt ist einzigartig — passe diese Methoden an deine spezifischen Anforderungen und deinen Kontext an. User Research ist kein Ersatz für professionelle Beratung, sondern ein Werkzeug zur besseren Entscheidungsfindung.